Die Mammographie wird angenehmer für die Patientin – und genauer

4 min
Niels Anner
Veröffentlicht am 27. Oktober 2018

Oberärztin Dr. Lisbet Brønsro Larsen und Radiologieassistentin Melika Khanzadeh mit dem neuen MAMMOMAT Revelation des Universitätskrankenhauses in Odense.

Eine Mammographie kann für die Patientin eine Quelle von Ängsten sein. Ein dänisches Universitätsklinikum legt viel Wert darauf, Mammographien komfortabler zu machen und ermöglicht gleichzeitig personalisierte Behandlung mit verbesserter diagnostischer Genauigkeit.

Fotos: Robert Wengler

Die Abteilung wirkt ruhig und freundlich. Dennoch seien erwartungsgemäß viele Frauen, die in der Abteilung für Klinische Mammographie des Universitätskrankenhauses in Odense untersucht werden, nervös, manche gar verängstigt, erzählt die Radiologieassistentin Julie Hauge Andersen. Einige Patientinnen empfinden die für die Untersuchung nötige Kompression der Brust als sehr unangenehm, andere fürchten, dass die Befunde auf einen bösartigen Tumor hinweisen könnten. Andersen und ihre Kollegin Melika Khanzadeh wissen, was in dieser Situation am meisten hilft: gute Kommunikation. Sie erklären den Patientinnen den Ablauf der Untersuchung und dass die Kompression für ein scharfes Röntgenbild entscheidend ist. „Wir erläutern, dass die Qualität der Diagnose von einem präzisen Bild abhängt“, sagt Khanzadeh. Auch wenn die Kommunikation mit den Patientinnen entscheidend ist, hat die Abteilung darüber hinaus auch neue Technologie angeschafft, um die Patientenerfahrung zu verbessern.

Die Tomosynthese-Biopsie spart Zeit und vereinfacht den Arbeitsablauf.

Das neue Mammographiesystem MAMMOMAT Revelation bringt laut Andersen und Khanzadeh bereits nach kurzer Zeit mehrere Verbesserungen. Ein vereinfachter Arbeitsablauf und gesteigerte Bildqualität erleichtern dem Radiographie-Team die Arbeit. Schneller verfügbare Röntgenbilder und ein fliessender Übergang zwischen 2D Mammographie und 3D Brust-Tomosynthese sparten Zeit, so Khanzadeh, „Zeit, die wir der Patientin und einer sorgfältigen Positionierung der Brust widmen können.“ So hilft ein optimierter Arbeitsablauf nicht nur der Abteilung selbst, sondern auch den Patientinnen.

Angenehmere Mammographie-Untersuchungen: Radiologieassistentin Melika Khanzadeh demonstriert das patientenfreundliche Design des MAMMOMAT Revelation.

Entscheidend sei, so erläutern die Radiologieassistentinnen, dass sich die Frauen möglichst wohl fühlten. Die flexible Höheneinstellung des Systems trage zu einer personalisierteren und komfortableren Untersuchung bei. Einen wesentlichen Unterschied verspüren die Patientinnen vor allem bei der Kompression, die für viele ein heikler Moment ist. Mit den neuen, an der Seite abgerundeten Kompressionsplatten wird der Druck auf Muskeln reduziert, sagt Khanzadeh: „Die Patientinnen bemerken sofort, dass etwas anders ist.“ Auch sei es einfacher geworden, die Brust mit der Hand zu positionieren, da dank der abgerundeten Platten mehr Platz sei. Zudem schätzen die Patientinnen die sanftere Kompression des Systems. Sobald die Platte auf Widerstrand trifft, wird sie automatisch langsamer und das System passt den Druck individuell an jede Brust an. Das führt zu einer optimalen Bildqualität und vermeidet gleichzeitig unnötig hohen Druck. „Wir können zudem dieselbe Kompressionsplatte für 2D und 3D Untersuchungen verwenden“, erklärt Khanzadeh. „So haben wir weniger Arbeitsschritte und eine entspanntere Untersuchung. Und weil wir patientinnen- und bedienerunabhängig die optimale Kompression erreichen, können wir unseren Arbeitsablauf weiter optimieren.“

Die Nachfrage nach den Untersuchungen in der zum öffentlichen dänischen Gesundheitssystem gehörenden Klinik wächst kontinuierlich. Wir haben einen hohen Durchsatz an Patientinnen“, sagt die leitende Radiologin Lisbet Brønsro Larsen. Es werden täglich Frauen mit Symptomen, wie zum Beispiel einem ertastbaren Knoten in der Brust, zur Diagnose an die Abteilung überwiesen. Mammographie, Tomosynthese und Biopsie können mit dem neuen Gerät effizient kombiniert werden. Das ermöglicht der Abteilung auch eine Entscheidung und Terminierung von weiteren diagnostischen Untersuchungen, beispielsweise Ultraschall. „Unsere Arbeitsabläufe werden vor allem durch die Tomosynthese künftig flexibler. Und die Patientinnen müssen weniger häufig ins Krankenhaus“, erklärt Larsen.


Dr. Lisbet Brønsro Larsen, Oberärztin

Für die Oberärztin ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Klinik auf die neuste Bilddiagnostik setzt. Larsen gehörte bereits zu den Vorreitern, als vor über zehn Jahren die digitale Mammographie ihren Durchbruch erlebte: „Wir wollen unseren Patientinnen natürlich die bestmögliche, effizienteste und schonendste Untersuchung bieten, aber wir wollen auch an der Weiterentwicklung der Diagnostik mitwirken. Mit dem MAMMOMAT Revelation sei die Bildqualität besser als bei allen zuvor genutzten Systemen,“ so Larsen. Das System akquiriert die Tomosynthesebilder, indem es verschiedene Projektionen in einem Winkelbereich von 50° aufnimmt. Daher sind die Bilder schärfer und detaillierter, so dass der Radiologe mehr Läsionen erkennen kann als bei 2D Aufnahmen. Zudem kann die Strahlendosis dank der software-basierten PRIME Technologie, welche die Streustrahlung reduziert, bei 2D Aufnahmen um bis zu 30 Prozent herabgesetzt werden.

Nach einer Einarbeitungszeit will die Mammographie-Abteilung kontinuierlich zusätzliche Möglichkeiten nutzen, um die Arbeitsabläufe anzupassen und personalisiertere Untersuchungen zu ermöglichen. Brustdichte ist so ein Beispiel. Sie ist bei jeder Frau unterschiedlich. Da Patientinnen mit einer dichten Brust schwieriger zu scannen sind, hilft es bei der Planung der weiteren Diagnostik, beispielweise einer Tomosynthese, die Dichte vorher zu wissen. Mit dem System ist es jetzt möglich, die Brustdichte automatisch zu messen und direkt auf dem Bildschirm abzulesen. So kann die Klinik ihre Arbeitsabläufe anpassen und bei Patientinnen mit hoher Brustdichte unmittelbar eine Tomosynthese durchführen. Bisher mussten diese einen zweiten Termin vereinbaren. Die Klink wird ihre Richtlinien bald entsprechend anpassen. Diese Umstellung ist ein Vorteil für Patientinnen und Personal; sie spart Zeit und führt schneller zu einer Diagnose.

Die Tomosynthese-Biopsie spart Zeit und vereinfacht den Arbeitsablauf.

Für Lisbet Brønsro Larsen ist die durch die Tomosynthese erhöhte diagnostische Genauigkeit ein entscheidender Gewinn. Dank des 50-Grad-Winkels des Systems erreichen die Bilder eine Tiefenschärfe, mit der auch Läsionen im dichtem Brustgewebe entdeckt werden können, die in der 2D-Mammographie verdeckt bleiben. Zudem kann Larsen mit dem neuen System tomosynthese-gestützte Biopsien durchführen. Diese sind vor allem zur Abklärung von Mikroverkalkungen hilfreich, jedoch aufgrund der geringen Größe dieser Verkalkungen schwer durchzuführen. Zudem wurden solche Biopsien bisher in der Abteilung nicht angeboten; weshalb die Patientinnen einen zusätzlichen Termin in der Magnetresonanztomographie (MRT) erhielten. Die entnommenen Gewebeproben können zudem während der Biopsie gescannt werden anstatt im Anschluss mit einem anderen System – was wiederum zusätzlich Zeit gekostet hat. Radiologe und Radiologieassistent können während der gesamten Prozedur bei der Patientin bleiben und auch die Kompressionszeit verringert sich weiter. „Die tomosynthese-gestützte Biopsie ist sehr präzise und der Arbeitsablauf ist einfach“, sagt Khanzadeh. „Da Biopsien für Patientinnen oft mit Stress verbunden sind, ist das für uns eine gute Lösung und auch die Kompressionszeit der Brust kann verkürzt werden.“

Mit dem neuen System kann Larsen auch tomosynthese-gestützte Biopsien durchführen.

Ebenfalls eine Neuerung für Larsen und ihr Team ist die Möglichkeit einer kontrastmittelgestützten Röntgenaufnahme. Hierzu plant die Oberärztin im Herbst eine Studie zur funktionalen Bildgebung mit ausgewählten Patientinnen, die sich bereits in einer Tumor-Behandlung befinden. Die neue Technik werde künftig einige MRT-Untersuchungen ersetzen, für die die Patientinnen heute einen separaten Krankenhausbesuch benötigen, erläutert Larsen. Auch dies ist ein Beispiel dafür, wie die multifunktionalen neuen Geräte die mit Unsicherheit behaftete Wartezeit der Frauen verkürzen und zugleich eine präzisere Diagnose ermöglichen.

Niels Anner ist ein freiberuflicher Journalist in Kopenhagen. Er schreibt über Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft in Nordeuropa.


Von Niels Anner
Niels Anner is an independent journalist based in Copenhagen. He writes about science, health, technology, business and society in Northern Europe.