Neue Wege in der Früherkennung von neurologischen Erkrankungen

4 min
Veröffentlicht am 28. November 2019
Christina Triantafyllou, PhD, an employee at Siemens Healthineers, Professor Arnd Dörfler, MD (left) and Professor Mark E. Ladd, PhD, made it to the top three for the German Future Prize 2019.

Dr. Christina Triantafyllou, zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und ihren Teamkollegen Dr. Arnd Dörfler und Prof. Dr. Mark E. Ladd (von links) bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Zukunftspreises. (Foto: Axel Schmidt)

Das Team um Siemens Healthineers Mitarbeiterin Dr. Christina Triantafyllou, Prof. Dr. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen, und Prof. Dr. Mark E. Ladd, Leiter der Abteilung für Medizinische Physik in der Radiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg erzielte mit der Entwicklung des ersten für die klinische Nutzung zugelassenen Ultra-Hochfeld-MRTs einen Durchbruch in der Präzisionsmedizin. Die 7-Tesla Bildgebung eröffnet neue Möglichkeiten in der Früherkennung neurologischer Erkrankungen. Mit dieser Innovation hat es das Entwicklungsteam in die Finalrunde des Deutschen Zukunftspreises 2019 geschafft.

Verliehen vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zählt der Preis zu den höchsten deutschen Auszeichnungen für Technik und Innovation. Neben dem Siegerteam, das für „Process Mining“, eine neuartige Methode, Prozesse umfassend zu analysieren, darzustellen, zu verstehen und effizienter zu gestalten, ausgezeichnet wurde, hat es auch ein Projekt, das CO2 als Rohstoff nutzbar macht, unter die Finalisten geschafft.

Dr. Triantafyllou, die bei Siemens Healthineers für Ultra-Hochfeld-MRT-Lösungen verantwortlich ist, ist die treibende Kraft hinter der Innovation. Sie hat gemeinsam mit Kooperationspartnern dafür gesorgt, dass die zuvor nur in der Grundlagenforschung eingesetzte Magnetfeldstärke von 7 Tesla seit dem Jahr 2017 klinischen Anwendern als neue wirkungsvolle Diagnosemethode zur Verfügung steht.

Was hinter der Entwicklung des 7-Tesla-Scanners steckt, welche Möglichkeiten die klinische Zulassung eröffnet und welche Vorteile die Technologie für den Patienten hat, erzählt Dr. Triantafyllou im Interview.

Was ist das Innovative an Ihrem Projekt?
MAGNETOM Terra ist als erster und bisher einziger 7-Tesla Scanner weltweit für die klinische Nutzung zugelassen. Das war aus meiner Sicht der wichtigste Meilenstein. Ein großes Thema war allerdings auch der Magnet. Wir haben ein komplett neues und innovatives Magnetdesign entwickelt, damit wir das System einfacher transportieren und in den Kliniken installieren können. Der Magnet des MAGNETOM Terra ist bei höherer Leistung nur halb so schwer wie die Magnete der bisherigen Forschungssysteme. Und auch die Multikern-Bildgebung ist eine große Innovation: damit können wir den Stoffwechsel in den Zellen messen. Das gibt uns Hinweise auf Störungen in den Zellen wie sie z.B. in Tumoren vorkommen.

Welchen Nutzen hat die Innovation des Teams für den Patienten?
Die moderne Medizin hat eine Vielzahl von Krankheiten bekämpft. Bildgebende Diagnoseverfahren wie die MRT haben einen entscheidenden Anteil daran. Allerdings kann die Standard MRT bisher Demenz, Epilepsie und Multiple Sklerose (MS) erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostizieren. Die Ultra-Hochfeld-MRT bringt die Gesellschaft hier einen großen Schritt weiter. Durch den sehr hohen Detailgrad ermöglicht die 7-Tesla Bildgebung eine Darstellung kleinster Veränderungen in der Anatomie und sogar in der Funktion von Organen. So kann diese Bildgebungstechnologie krankhafte Veränderungen auf Stoffwechselebene sichtbar machen, die in der anatomischen Bildgebung gar nicht zu sehen sind. Zum Beispiel in der Früherkennung von MS. Das ist gerade für junge Patienten besonders entscheidend: je früher die Krankheit erkannt wird, umso früher kann man ihnen helfen und eine mögliche spätere Behinderung vermeiden. Das bedeutet zum einen für die Patienten eine entscheidende Verbesserung ihrer Lebensqualität und zum anderen entlastet es das Gesundheitssystem.

Wie sieht die weitere Vision für die Innovation aus?
Wir haben das Ziel, diese innovative Technologie auszubauen und die klinische Zulassung auf mehr Multikern-Optionen und Körperregionen auszudehnen. Wir hoffen, dass in einigen Jahren in jeder großen Stadt ein Ultra-Hochfeld-MRT stehen wird und das 7-Tesla somit ein Routinebereich in der Präzisionsmedizin wird. Dadurch kann die klinische Versorgung in der Zukunft noch stärker personalisiert werden.