Point-of-care-Diagnostik

Als Typ-1-Diabetiker mit dem Rennrad durch Amerika

4 min
Helen Baer
Veröffentlicht am 19. Februar 2019

Mit dem Rennrad in elf Tagen 4940 km und 50.000 Höhenmeter quer durch 12 Staaten der USA – Thomas Haas hat als erster Typ-1-Diabetiker eines der härtesten Fahrradrennen der Welt bestritten und sagt: „Ohne ein starkes Team, die richtige Vorbereitung und regelmäßige Blutwertüberwachung wäre die Teilnahme am Race across America (RAAM) nicht möglich gewesen.“

Die Verfügbarkeit eines Diabetesüberwachungssystems während eines Hochleistungssportereignisses ist sehr wichtig.

Als Thomas Haas 2003 die Diagnose Diabetes Typ 1 erhielt, ist für ihn eine Welt zusammengebrochen. Als leidenschaftlicher Sportler stellte er sich die Frage, ob er auch als Diabetiker weiterhin Leistungssport betreiben könnte. Doch die intensive Auseinandersetzung mit der Krankheit zeigte schnell, dass Sport und Bewegung in der Diabetestherapie wichtige Säulen darstellen. „Seit meiner Diagnose hat sich mein Trainingsvolumen von zehn auf 20 bis 25 Stunden pro Woche erhöht und ich fühle mich körperlich besser denn je“, erzählt Haas. Für viele Betroffene ist Haas ein Vorbild. „Ich habe viele Diabetiker kennengelernt, die Angst haben, sie könnten gewisse Dinge nicht machen aufgrund ihrer Erkrankung. Aber das ist definitiv nicht so.“ Mit einer gewissen Vorbereitung können Diabetiker ihr Leben sportlich und aktiv gestalten und sogar Spitzensport betreiben – das ist die Botschaft die Thomas Haas weitertragen möchte.

Thomas Haas ist der erste Typ-1-Diabetiker, der das Race Across America beendet hat.


Thomas Haas

Die Vorbereitungen für die Teilnahme am RAAM beginnen bereits einige Jahre zuvor. Gemeinsam mit einem persönlichen Trainer wurden spezielle Trainingspläne erarbeitet und es wurde ein Team zusammengestellt, das Haas sowohl vor als auch während des Rennens vor Ort begleiten sollte. „Ein gutes Team ist enorm wichtig für so ein Rennen. Es ist nicht einfach, Leute zu finden, die bereit sind, die eigenen Interessen in dieser Zeit hinten anzustellen“, erzählt Haas. Mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen besteht sein Team aus zehn Personen, darunter seine Ärztin und das Mediateam.

Haas machte sich mit insgesamt 120 kg Gepäck auf den Weg an die Küste Kaliforniens, wo das Rennen startete. Anders als die Tour de France zum Beispiel, ist das RAAM kein Etappenrennen, sondern ein Rennen auf Zeit. Die Teilnahme am RAAM beschränkt sich zudem nicht nur auf professionelle Rennradfahrer, sondern ist auch offen für Amateurfahrer[1]. „Wenn man für ein bestimmtes Thema Aufmerksamkeit erregen will, muss man etwas Extremes machen, sonst hören einem die Leute nicht zu“, erzählt Haas über seine Beweggründe. Er hat zuvor bereits bei mehreren Radrennen und Läufen teilgenommen, doch dort war er nur einer von tausenden Teilnehmern. „Beim RAAM sind seit 1982 erst 566 Teilnehmer ins Ziel gekommen. Wenn man das geschafft hat, erhält man momentan eine gewisse Aufmerksamkeit.“ Und genau das wollte Haas als Spitzensportler mit Diabetes schaffen.

Das epoc Blood Analysis System ist ein hilfreiches System zur Überwachung des Blutzuckerspiegels.

Die Strecke von 4940 km quer durch die USA hat Haas in elf Tagen zurückgelegt. Da die Einteilung von Fahrt- und Ruhezeiten den Fahrern beim RAAM selbst überlassen ist, saß Haas täglich 19-20 Stunden auf dem Fahrrad. „Ich habe während des Rennens circa 35 Stunden geschlafen, also nur rund drei Stunden pro Nacht. Die Übermüdung war mit Abstand das schwierigste am Rennen“, erzählt er. Während Haas auf dem Rad saß, kümmerte sich das Team um seine Verpflegung, das Wechseln von seiner Kleidung oder sorgte mit Eiswürfeln im Helm für Abkühlung bei Hitze. „Das Team war großartig – sie kümmerten sich um alles direkt aus dem fahrenden Auto heraus. Ich musste nichts anderes machen außer rechts treten, links treten“, erinnert sich Haas.

„Die Kontrolle meiner Blutwerte mit dem epoc® Blutanalyse Gerät hat immens geholfen“, berichtet Thomas Haas.

Medizinische Betreuung ist während eines solch intensiven Rennens für jeden Teilnehmer wichtig. Bei Diabetikern allerdings ist speziell die kontinuierliche Überwachung der Blut- und Glukosewerte von großer Bedeutung. Mit dem epoc® Blutanalyse Gerät (Blood Analysis System) aus dem Portfolio der Point of Care Diagnostik von Siemens Healthineers, konnte die begleitende Ärztin die besonders wichtigen Parameter Elektrolyte und Laktat regelmäßig kontrollieren und im Falle einer Blutwertentgleisung oder Übersäuerung sofort reagieren. „Die Kontrolle meiner Blutwerte mit dem epoc® Blutanalyse Gerät hat immens geholfen. Wir hatten alle Werte im Blick und es gab während des kompletten Rennens keine Probleme“, berichtet Haas.

Zudem macht besonders die Ernährung einen wesentlichen Unterschied für Diabetiker im Leistungssport aus. „Im Zuge meiner Diabeteserkrankung habe ich meine Ernährung komplett umgestellt“, erläutert Haas. Im Schnitt muss er während eines intensiven Rennens 8000 bis 10000 kcal pro Tag verzehren. Die meisten Sportler tun das in Form von Kohlehydraten. „Ich komme mit der kohlehydratreichen Ernährung nicht zu Recht, da es bei dieser Intensität an Sport sehr schwer abschätzbar ist, wie viel Insulin der Körper benötigt. Aus diesem Grund ernähre ich mich komplett kohlehydratfrei“, erklärt Haas.

Mit einem Diabetesüberwachungssystem ausgestattet zu sein ist der Schlüssel um das RAAM Rennen zu beenden.

Besonders die tolle Landschaft bleibt Haas vom Rennen in Erinnerung. „Am besten hat mir die Fahrt durch die Wüste gefallen, trotz der 46 Grad Hitze. Das ist für mich die schönste Landschaft Amerikas“, berichtet er. Die Wetterbedingungen wechselten von extremer Hitze bis hin zu tagelangen Niederschlägen und Überschwemmungen. Doch all die Eindrücke ließen sich in dieser kurzen Zeit gar nicht verarbeiten: „Wenn ich mir jetzt die Fotos anschaue, kommen alle Eindrücke wieder zurück. Währenddessen ist man in einem Rennmodus und sehr fokussiert, da hat kein links und rechts mehr Platz“, erklärt Haas.

Obwohl Haas die wohl größte sportliche Leistung seiner Karriere gerade erst hinter sich hat, gibt es bereits neue Ziele. „Ich möchte definitiv weiterhin Sport machen, aber ich gehe vorerst zurück zum Triathlon. Mein nächstes Ziel ist die Qualifikation für die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Hawaii“, so Haas. Die Botschaft, die er transportieren möchte, ist eindeutig: „Man muss keine Angst haben vor Diabetes.“ Seiner Ansicht nach machen eine gute Aufklärung und eine gewissenhafte Vorbereitung den Leistungssport für Diabetiker genauso möglich wie für jeden anderen.

„Am besten hat mir die Fahrt durch die Wüste gefallen, trotz der 46 Grad Hitze. Das ist für mich die schönste Landschaft Amerikas“, berichtet Thomas Haas.

Helen Bär ist Redakteurin bei Siemens Healthineers.


Von Helen Baer
Helen Baer is an editor at Siemens Healthineers.