Zeit für Veränderung: Hochwertige CT-Scans direkt auf der Intensivstation

3 min
Matthias Manych
Veröffentlicht am 3. Dezember 2019

Intensivpatienten mit Kopfverletzungen sind auf schnelle und zuverlässige Bildgebungsbefunde angewiesen. Bisher war es üblich, die Patienten von der Intensivstation zur Radiologie zu transportieren. Die Bildgebung mit mobilen Kopf-CT-Scannern direkt am Patientenbett kehrt den Prozess nun um und vereinfacht den Arbeitsablauf, reduziert riskante Transporte und kann zu Kostensenkungen beitragen – bei gleichbleibend hoher Bildqualität.

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Ein Patient liegt auf der Intensivstation und wird für eine CT-Untersuchung des Kopfes vorbereitet. Der Mann war an einem Fahrradunfall beteiligt, bei dem er neben mehrfachen Verletzungen auch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT) erlitt. Jetzt wollen die Ärzte wissen, ob im Raum zwischen Schädelknochen und harter Hirnhaut Blutungen aufgetreten sind – eine häufige Folge eines SHT. Die Computertomographie (CT) wird am häufigsten zur Beurteilung von Intensivpatienten mit Hirnverletzungen eingesetzt: Rund 40 Prozent aller CT-Untersuchungen betreffen den Kopfbereich. Denn die CT-Bildgebung liefert schnelle und zuverlässige Informationen über die genaue Lage und das Ausmaß von Blutungen, Ödemen und anderen Hirnverletzungen.

Die Kopfbildgebung bei kritischen Patienten wird durch einen mobilen CT-Kopfscanner erleichtert.

Was würde sich ändern, wenn nicht der Patient zum CT müsste, sondern das CT zum Patienten käme? Ein mobiler Kopf-CT-Scanner bietet die Möglichkeit, die diagnostische Leistung und Geschwindigkeit der CT direkt am Patientenbett zu erbringen. Patient und Personal müssen die Intensivstation nicht mehr für den Transport zur Radiologie verlassen. Während der CT-Aufnahme bleibt der Patient ständig mit der Überwachung und Medikamentenversorgung an seinem Bett verbunden. Kommt es zu Komplikationen, ist das gesamte Spektrum der Intensivtherapie sofort einsatzbereit. Selbst wenn der Zustand des Patienten einen Transport ausschließt, ist mit einem mobilen Kopf-CT-Scanner eine Untersuchung möglich. Auch Mitpatienten profitieren von der Bildgebung direkt auf der Intensivstation, denn das Klinikpersonal, das am Transport beteiligt gewesen wäre, kann nun in der Nähe der Patienten bleiben und akute Probleme sofort lösen.

Hochwertige CT-Bildgebung sollte für alle Patienten möglich sein, unabhängig davon, ob sie kooperations- und transportfähig sind oder nicht. Ein mobiler Kopf-CT-Scanner muss für die anspruchsvolle, enge Umgebung der Intensivstation geeignet sein. Damit ein solches System Patienten und Personal deutlich entlasten kann, muss es einfach zu manövrieren und zu bedienen sein sowie intelligente Lösungen für Patientenpositionierung und Strahlenschutz bieten. Siemens Healthineers hat diese Merkmale in einem innovativen mobilen Kopf-CT-Scanner kombiniert, der sich derzeit in der Entwicklung befindet.

Ein mobiler Kopf-CT-Scanner1 kann direkt zum kritisch kranken Patienten gefahren werden, wodurch der riskante Transport entfallen kann.


Roger Siemund, Neuroradiologie, Skåne Universitätskrankenhaus Lund

Der Einsatz der mobilen Kopf-CT-Technologie entlastet das Personal der Intensivstation messbar: Statt 50 Minuten kann die Bildgebung mit einem mobilen Gerät nur noch 18 Minuten benötigen.[1] Arbeitsschritte wie das Wiederanschließen des Patienten an die Überwachungs- und Versorgungstechnik sowie die Desinfektion des Intensivzimmers nach der Rückkehr aus der Radiologie entfallen. Da für die auf der Intensivstation anfallenden Aufgaben zumindest tagsüber das gesamte Personal zur Verfügung steht, verteilt sich die Arbeitsbelastung. Kommt es bei Intensivpatienten während der Nachtschicht zu Notfällen, die eine Kopf-CT-Untersuchung erfordern, entsteht zurzeit für weniger erfahrene Mitarbeiter eine sehr anspruchsvolle Situation. Dieser Zustand könnte durch CT-Untersuchungen am Patientenbett entschärft werden.

CT-Untersuchungen des Kopfbereichs direkt auf der Intensivstation wirken sich zudem positiv in der Radiologie aus. Dort können bisherige Terminunterbrechungen durch den Einschub von Intensivpatienten vermieden werden, was eine effizientere Planung der Scanner-Kapazitäten ermöglicht. Zudem ist für die mobile Modalität nur eine Fachkraft nötig, wohingegen die Untersuchung eines Intensivpatienten im stationären CT-Scanner zwei MTRAs erfordert. Wenn der Kopf-CT zum Patienten kommt, lässt sich zum einen die Patientensicherheit erhöhen, zum anderen entstehen Kapazitäten für das Krankenhaus und seine Mitarbeiter.


Nils Ståhl, Neurochirurgie, Skåne Universitätskrankenhaus Lund

Derzeit müssen die kritisch kranken und nur teilweise kooperationsfähigen Patienten auf den Transport in die Radiologie vorbereitet werden. Das ist immer eine logistische und personelle Herausforderung, da die Versorgung und Überwachung mit Herz-Kreislauf-Überwachungstechnik, Beatmung, Spritzen- und Infusionspumpen während des Transports gewährleistet sein muss. Auch die hygienischen Anforderungen sind höher.

Während zwei Mitarbeiter den Transport vorbereiten, begleiten ihn bis zu fünf Personen mit dem gesamten medizinischen Equipment. Unterdessen bereiten Kollegen in der Radiologie den Untersuchungsraum vor. Vorsichtig wird der Patient schließlich auf den CT-Tisch umgelagert und MTRAs übernehmen die Aufnahme. Der personalintensive Prozess vom Transport bis zum Abschluss der CT-Untersuchung dauert durchschnittlich 50 Minuten.[1]

Gleichzeitig ist die Prozedur mit erheblichen Risiken für den Patienten verbunden. Bei einem Drittel aller Transporte kann es zu Unfällen kommen. Möglicherweise wird die Verbindung zu Überwachungsgeräten oder zur Medikamentenversorgung unterbrochen, sogar der Beatmungszugang könnte versehentlich entfernt werden. Beim Transport zum CT-Scanner ereignen sich 71 Prozent aller Zwischenfälle.[2]

Matthias Manych, Diplom-Biologe, ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist, Redakteur und Autor mit dem Schwerpunkt Medizin. Seine Arbeiten erscheinen hauptsächlich in Fachjournalen, aber auch in Zeitungen und online.


Von Matthias Manych
Matthias Manych, a biologist based in Berlin, works as a freelance scientific journalist, editor, and author specializing in medicine. His work is published mainly in specialist journals, but also in newspapers and online.