Vielfalt & Inklusion

Mit Humor gegen Unsicherheiten

Christopher Werner, ein blinder Mitarbeiter bei Siemens Healthineers, berichtet von seinen Erfahrungen am Arbeitsplatz.

3 min
Bernward Bodenstedt
Veröffentlicht am April 25, 2021

Für Christopher Werner steht der Spaß an der Arbeit im Mittelpunkt. Auch Mut findet er nicht nur für sich selbst wichtig und meint, dass Selbstironie manchmal den unbeschwerten Umgang miteinander erleichtern kann.

Humor hat er und es ist kein Galgenhumor, sondern Mutterwitz, den Christopher Werner in vielen Sätzen zum Ausdruck bringt. Werner ist bei „Advanced Therapies“ am Siemens Healthineers Standort in Forchheim im Bereich Logistik tätig. Wie viele Kolleginnen und Kollegen arbeitet Werner seit Monaten im Homeoffice. Ein Teil seiner Arbeit besteht darin, Bestände zu prüfen. Das können Software-Lizenzen sein, aber auch benötigte Hardware. Wenn Fehler bei der Inbetriebnahme von unseren Geräten auftreten, ist es außerdem Werners Aufgabe, diese dem richtigen Projektmanager zuzuordnen, damit die dann schnellstmöglich behoben werden können. „Das ist der Teil meiner Arbeit, der mir am meisten Spaß macht, da er sehr abwechslungsreich ist und ich direkt mit den verschiedensten Kollegen zu tun habe“, berichtet Werner. Er muss sehr sorgfältig arbeiten, immer wieder nachhaken und „am Ball bleiben“, damit auftretende Probleme schnell gelöst werden.

Der junge Mann, der seit knapp einem Jahr bei Siemens Healthineers arbeitet, nimmt seinen Job sehr ernst, nicht aber immer sich selbst, was ihn sehr sympathisch macht. „Als ich ganz neu in der Abteilung war, sagte ein Kollege zu mir, dass er mich in der Kantine gesehen habe. Ich erwiderte: Ich dich aber nicht.“ Den selbst gemachten Gag versteht man nur, wenn man weiß: Christopher Werner ist blind. Seinen Humor wissen seine Kolleginnen und Kollegen zu schätzen. Als ihn sein Chef einmal bat, eine Aufgabe zu übernehmen, antwortete Werner: „Ich werf´ ein Auge drauf.“



Darf ein Mensch mit Behinderung Witze über sich selbst machen und dürfen Kollegen mit lachen? Werner meint ja. Er will damit nicht provozieren, sondern die Angst nehmen. „Bei vielen Menschen sind anfänglich Ängste da. Sie wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen. Da empfehle ich immer: Bitte fragen, das Gespräch suchen und mich ansprechen.“

Werner hat kein Problem mit dem Blindsein, weil er Zeit seines Lebens gelernt hat, damit umzugehen. Denn er ist ohne Sehorgane geboren. In der Blindenschule hat er die Mittlere Reife erworben und im Berufsschulzentrum für Blinde seine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement absolviert mit anschließendem Berufsvorbereitungsjahr in Nürnberg. 2019 kam dann die Zusage von Siemens Healthineers: „Ein großartiger Tag, den ich mir im Kalender angestrichen habe“, schmunzelt Werner.

Christopher Werner with disabled employees’ representative Anna Haberkorn-Wittner

Nur gemeinsam, im Gespräch, können Unsicherheiten und Vorbehalte überwunden werden: Christopher Werner hier mit der Schwerbehindertenvertrauensfrau Anna Haberkorn-Wittner.

In der Büroumgebung wie auch in anderen Umgebungen findet er sich schnell zurecht. „Na klar, am Anfang ist erst einmal alles ungewohnt, und ich muss fragen, wo sich was befindet. Aber ich erschließe mir recht schnell die räumliche Umgebung, damit ich eben nicht immer fragen muss“, so Werner. In sehr kurzer Zeit kann er Namen mit der Stimme kombinieren, um so jeden Kollegen wiederzuerkennen. Denn die Stimme sei das wichtigste Erkennungsmerkmal.

Im Homeoffice kann Werner genauso arbeiten wie im Büro, denn mit technischen Hilfsmitteln nutzt er den PC als Standardkommunikationsmittel. Da gibt es zum Beispiel die Braille-Zeile, ein Computer-Ausgabegerät für blinde Menschen, das Zeichen in Brailleschrift darstellt. Genauso ist eine Sprachausgabe möglich.

In der Regel, so Werner, sind nicht behinderte Menschen sehr vorsichtig, teilweise auch unsicher im Umgang mit behinderten Menschen. „Ich habe bislang hier bei Siemens Healthineers durchweg positive Erfahrungen gemacht. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mit Humor und ein bisschen Selbstironie versuche, die Ängste zu nehmen.“ Seine Kolleginnen und Kollegen haben gelernt, dass sie bei manchen Videokonferenzen einfach bestimmte Informationen vorlesen, um auch Werner akustisch Zugang zu den Daten, zum Beispiel auf einer Powerpoint-Präsentation, zu geben. „Sonst frage ich einfach nach und das ist auch für alle okay“, sagt Werner.


Bei Siemens Healthineers fühlte er sich von Anfang an wohl und sicher. „Die Hilfsmittelausstattung wurde von einem IT-Spezialisten auf meinem Rechner installiert, damit ich loslegen konnte.“ Für Fragen zu Inklusion und Integration steht die Schwerbehindertenvertrauensfrau Anna Haberkorn-Wittner zur Verfügung: „Wir als Siemens Healthineers haben für Deutschland eine Inklusionsvereinbarung erarbeitet und abgeschlossen. Gemeinsam mit den Führungskräften setzen wir alles daran, behinderte Menschen bestmöglich zu integrieren.“ Inklusion und die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben sowie eine respektvolle Zusammenarbeit und Chancengleichheit sind für Siemens Healthineers eine besondere Verpflichtung. In Deutschland gibt es dafür zum Beispiel eine Inklusionsvereinbarung der Siemens Healthcare GmbH. Und auch andere Länder haben spezielle Vereinbarungen.
A Braille display allows to read what is on the screen

Eines der technischen Hilfsmittel zum PC ist für Christopher Werner die Braille-Zeile, ein Computer-Ausgabegerät für blinde Menschen, das Zeichen in Brailleschrift darstellt.

Werner mag seinen Arbeitsplatz, weiß aber, dass es nicht überall einfach ist. Vielmehr kommt es darauf an, das Gespräch zu suchen und Vorbehalte, die meist nicht offen geäußert werden, zu überwinden: „Meine Empfehlung ist, sich über Vorbehalte und Ängste bewusst zu werden und Fragen zu stellen. Das gilt für behinderte wie nicht behinderte Menschen. Man sollte es einfach riskieren, lieber mehr Fragen zu stellen als zu wenig. Dabei geht es nicht nur um die Behinderung eines Kollegen, sondern darum, die Persönlichkeit des anderen besser kennenzulernen. So entwickelt sich Respekt."

Von Bernward Bodenstedt

Bernward Bodenstedt ist Redakteur bei Siemens Healthineers